Spiel 4 - SpVgg. Lok. Grobm. EF vs. Glasbier Rangers 1:1

Lok verliert das Auftaktspiel 1-1

Bügelt eure Trikots, staubt eure Schals ab und sagt Mutti, dass ihr ab sofort montags und dienstags eine halbe Stunde zu spät zum Kaffee und Kuchen kommt, denn die Sommersaison steht an und die Helden eurer Kindheit sind selbstredend wieder mit von der Partie. Die Spielvereinigung Lokomotive Grobmotorik Erfurt steht in den Startlöchern und macht das, was sie am besten kann: Schönen, körperbetonten und technisch versierten Fußball zelebrieren. Dabei wird sternenförmig alles weggefrühstückt was sich Gegner nennt, egal ob Meister, Neuling oder Glashoch. A propos Rangers: Die neu formierte Truppe mit dem Pokemon-Komplex, „GlasBIER Rangers“ (bitte nicht verwechseln mit den Sinti und Roma von GlasHOCH) schluckte bei der öffentlichen Ziehung des Spielplans einen großen Kloß. Als Gianni Infantino das Los der Lok zog und dabei auf 58 Sprachen Witze darüber machte, dass das eine extrem undankbare Aufgabe für einen Neuling sei, zeigte die Kamera Kapitän Pflum, wie er hektisch etwas auf einen Zettel kritzelte. International geschulte Lippenleser berichteten davon, dass er ein trauriges „Ach man ey“ ausstöhnte.

Im Vorfeld beherrschte das Thema der ungünstigen Platzzeiten die Titelseiten der Gazetten Europas. Dass die Landeshauptstadt Thüringens die Lok bei solchen menschenunwürdigen Zeiten Fußball spielen lässt, ist eigentlich ein Fall für Luxemburg. Nur weil die Stadt 6,9 Mrd. Euro TV-Geld in die Hochschulliga pumpt, denkt sie, dass es in Ordnung ist, nachmittags zu kicken. Leider ging diese kapitalistische Entwicklung nicht unbemerkt an der SpVgg vorbei und so kam es, dass eine Reihe alteingesessener Lokos in dieser Saison nicht mitspielen kann. Die Liste liest sich wie das Who is Who der Creme de la Creme aus der Hall of Fame der Lok: Karulski, Ross, Telaar, Blavius, Mieth, Hesse, Liebert und Buttgereit. Allein diese Namen könnten eine Mannschaft bilden, der man nach knapp der Hälfte der Spielzeit, den Pokal nach Hause schicken könnte. Dafür standen mit Philipp Häntsche, Philipp Görtz, Kevin Köllner, Robert Lauckner und Felix Helmert fünf brandneue Gesichter auf dem Feld, die kaum spielen konnten, weil sie vor Stolz fast geplatzt wären.

Rein ins Spiel: Von Anfang an war die Lok die dominierende Mannschaft und hatte direkt nach 2,8 Sekunden die erste Chance. Die Nervosität der Rangers war spürbar, kaum ein Ball kam an, immer war ein orangener Stutzen dazwischen. Dementsprechend verdient ging die Spielvereinigung durch Schulz in Führung. Nach einem Zuckerpass mit seinem Sahnefuß ließ sich der Diabetes verursachende Kaldune zu Recht ebenfalls feiern. Die Leute staunen heute noch, wo er den her geholt hat. Das wars. Da war der Deckel drauf. Die Messe war gelesen. Die ersten Zuschauer verließen bereits den Riethplatz, was extremen Unmut unter den Ultras auslöste. Glasbier konnte den Ball nicht mehr aus der Gefahrenzone bringen, die Lok war heftiger am Drücker, als ein Familienvater in einem patriarchalischen Haushalt. Das zweite Tor war nur noch eine Frage der Zeit und „Dangerhorst“ Vahrenhorst hatte es auch auf dem Fuß, doch Bruder Leichtsinn stand wohl auch mit auf dem Platz. So ging es mit einem auf dem Papier knappen 1-0 in die Kabinen.

Die zweite Hälfte begann, wie die erste aufgehört hatte. Eine orangene Wand rannte auf das Tor der Weißen zu und spielte sich Chance um Chance heraus. Die Eckenstatistik konnte auf der Anzeigetafel nicht mehr angezeigt werden, weil nicht mehr genug Pixel vorhanden waren. Ein Diago-Pass jagte den nächsten und wieder war es Kaldune, der einen dieser Pässe mustergültig runterpflückte und mit besagtem Zauberfuss ansaugte. Leider stach ihm im Moment der Ballannahme einen Schmerz ins Knie, sodass er den Ball ins Aus spielte und sich auswechseln ließ. Glasbier sah sich nicht in der Pflicht, den Ball zurück spielte. Jörg Schmadtke tobte an der Seitenlinie: „Da wird der Fairplay-Gedanke begraben“. Als sich kurz darauf Kapitän Thaller ebenfalls verletzte, war das ein kleiner Knackpunkt im Spiel der Lok. Und dann passierte das, was die alten Römer schon wussten: Wenn du vorne keine machst, bekommst du sie hinten rein. Der Ausgleich kam so überraschend wie das Brot aus dem Toaster: Man erwartet es zwar, erschrickt aber trotzdem. Die Welt war auf den Kopf gestellt. Hansi rannte erstmal in die Kabine um zu sehen, ob sich die Klospülung noch in die richtige Richtung dreht. Natürlich war das ein Schock für die Lok, doch sie startete jetzt noch wütendere Angriffe. Doch leider vergeblich, es blieb beim ungerechten Unentschieden. Damit gewann die Lok nicht einen Punkt, sondern verlor zwei.

Alabastia, Amsterdam:

Es war der 5 April 2016, der 1. Spieltag der Hochschulliga-Sommersemester-2016-Saison. Der Neuling die Glasbier Rangers Erfurt in weiß empfing den orangenen Facebook-Primus SpVgg Lokomotive Grobmotorik Erfurt. Die Scoutingabteilung der Rangers hat in mühevoller Sichtungsarbeit herausgefunden, dass die Oranje dieses Jahr gar nicht an der EM teil nimmt es war damit zu rechnen, das einige Profis für die Hochschulliga freigestellt werden. Dementsprechend defensiv war die taktische Marschroute: laufen lassen, zuschauen, Fingernägel kauen. Als Neuling wussten wir selbstverständlich um unsere Position in der Liga und wollten uns daher zunächst von unserer hannoveranischen, gastfreundlichen Seite zeigen.

Doch irgendwie beschlich uns das Gefühl, dass die Lok vergessen hatte einen richtigen Stürmer einzupacken, das deutliche spielerische Übergewicht der Orangenen konnte in den ersten 25 Minuten nur einmal genutzt werden. Unter anderem lag das aber auch an dem hervorragenden Schlussmann und Vize-Kapitän der Rangers Kevin K., welcher bereits in seinen Kindertagen auf dem Wilhelmshavener-Fischmarkt dem günstigsten Zwergdorschen hinterher hechtete, er erwischte einen Sahne-Meerrettich-Makrelen-Tag. Eine weitere erwähnenswerte Szene aus dem ersten Durchgang war die erste Verwarnung eines Rangers überhaupt. Zum Semesterwechsel verpflichteten wir Louis B. ein Deutsch-Schweizer welcher gerade zur Klausurenphase die Nerven behielt, eine solche Abgeklärtheit hatte unserem Team noch gefehlt. Wie er uns berichtete verbrachte er die Saisonvorbereitung in der Heimat neben einer Ricola-Kur trainierte er speziell sein Zweikampfverhalten mit den heimischen Bergziegen und bekam letztendlich für sein eher bockiges einsteigen den ersten gelben Karton.

-- Raucherpause --

Kurz vor dem zweiten Durchgang erreichte dann auch uns die Nachricht, dass es sich hier bereits um ein Punktspiel handelt und lediglich die orangenen aus Holland dazu verdammt sind dieses Jahr nur noch Freundschaftsspiele zu absolvieren. Dieser Schock fuhr den Rangers durch die Knochen und resultierte zu deutlichem Ballbesitz in der zweiten Halbzeit. Ganz nach „El Classico“- Manier wurde das Spiel zu einer Mittelfeldschlacht mit TikiTaka-Traumkombinationen. Dann, Hälfte der 2.ten Halbzeit fasste sich Karen K. (zu verwechseln mit Karim B.) ein Herz und zog mit seinem Zuckerfuß außerhalb des Strafraums ab. Da die Ranger Stürmer lieber die Aerodynamik des Balles bestaunten konnte der Schlussmann der Lokomotive nur sehr spät reagieren und der Ball klatschte ins untere rechte Eck. Jubel brach aus, Pyros wurden gezündet, ja sogar ein Flitzer soll gesichtet worden sein. Nach feinster VfB-Tradition gaben dann beide Seiten 10 Minuten vor Schlußpfiff auf und nahmen mit was sie konnten. Endstand 1:1. Damit ging man kichernd in die Kabinen und freut sich auf den wahren Saisonstart am darauffolgenden Spieltag gegen Esperanza.

Quirin Schuierer, Jonas Pflum